Reisen: Abenteuer für sich

22. November 2013 um 16:31 von Bernd Lange

Kam doch heute eine Geschichte von Heike auf meinen Bildschirm geflogen, bei deren darin beschriebenen Ereignissen ich Zeuge war, doch sie schon längst wieder verdrängt hatte:

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Was braucht ein Mensch morgens um 5 Uhr?
Ich favorisiere: ein gemütliches Bett, Ruhe und den weichen Körper meines Liebsten an meiner Seite.

Was ich persönlich nicht brauche, ist ein ’aufgewecktes’ Kerlchen am Check-in-Schalter des Stuttgarter Airports.

Ich fühlte mich gut präpariert – wenn auch müde –, als ich meine Boarding Card vom Online-Check-in (Platz 7 A) samt Ausweis auf den Tresen legte und meinen Koffer auf die Waage hob.
„Wo sind Ihre Reiseunterlagen?“
– ersetzte den Wunsch für einen ‚Guten Morgen’.
Da ich keine hatte, fiel meine Antwort entsprechend aus. Auch die Feststellung, dass ich irgendeine Buchungsbestätigung haben müsste, wurde von mir wahrheitsgemäß mit „Nein!“ beantwortet.
„Aber Sie haben doch irgendwas bekommen … eine Bestätigung per Mail …!!!!?“, war mehr eine Feststellung als eine Frage.

„Ja. Habe ich, aber die ist weit weg, wenn im weltweiten web überhaupt etwas weit weg sein kann.“
„Das geht so nicht!“, erfuhr ich und wurde allen Ernstes gefragt:
„Und was machen wir jetzt?“
„Das weiß ICH doch nicht!“ … sagte ich.
‚Der Typ nervt mich!!!!!’ … dachte ich.

Meine Bemerkung, dass ich bei airberlin-Flügen nie mehr als die jetzt vorgelegten Sachen benötigt habe, ermunterte ihn zu der schmerzlichen Wahrheit, die da lautete:
„Das hier ist aber nicht airberlin !!!!“
In diesem Moment ließ es sich nicht mehr verbergen: Er ist ein Klugscheißer und vielleicht Schlimmeres. Ich hielt es zu diesem Zeitpunkt unserer Unterredung nicht mehr für ausgeschlossen, dass es sich bei ihm um einen Vollidioten handelte. Mir fehlten zu dieser frühen Stunde alle erforderlichen geistigen Werkzeuge, um mich konkret mit der Analyse dieser gestörten Persönlichkeit zu beschäftigen.
ICH WOLLTE NUR MEINEN KOFFER LOSWERDEN!

Während ich wartete, dass er mich an seine Kollegen an den Schalter verweist, damit mein fatales Versäumnis geklärt werden konnte, hantierte er rum und ich bekam eine schulmeisterliche Zurechtweisung:
„Haben Sie die Buchungsbestätigung gelesen?“
„Nein!“
„Das hätten Sie müssen!! In Zeile XY steht, dass Sie die Bestätigung ausdrucken müssen! So geht das nicht!!! Was, wenn die Computer ausfallen??? Dann haben Sie NICHTS in der Hand!!! Das mag hier in Deutschland ja noch gehen, aber in Spanien … – wo ganz anders gearbeitet wird … also im Ernstfall … bla … bla … bla … !!!!!!“

‚Ich reise jetzt auf eigene Verantwortung’, wurde ich informiert. Meine Erklärung, dass ich es sogar gewohnt sei, auf eigene Verantwortung zu leben, fiel auf keinen fruchtbaren Boden.
Ich wartete noch immer auf eine konstruktive Idee seinerseits. Stattdessen hatte er während seines Vortrages mein Check-in erledigt, meinem Koffer einen Aufkleber verpasst und legte mir Ausweis und Bordkarte auf den Tresen.
Ich verstand gar nichts mehr und sah meinem Koffer hinterher, der nun seine Reise antrat – nach Rhodos/Griechenland.
Mein gebuchter Flug ging allerdings nach Jerez de la Frontera/Andalusien.

Dass der aufgeblasene Wichtigtuer für mich und meinen Koffer unterschiedliche Ziele gebucht hatte, stellte sich erst in Südspanien heraus … mit einem Blick auf das leere Gepäckband und auf den Aufkleber auf der Bordkarte.
Ein eigenverantwortlicher Fehler seinerseits?
Oder eine Lektion für mich?
Man wird es nie erfahren …

Mein Koffer unternahm eine Europa-Tour, die ihn noch an diverse interessante Ziele brachte.
Ich saß zu Hause, vermisste mein Laptop-Netzteil (ohne das ich nicht arbeiten konnte), … und ich dachte an die verderblichen leckeren Mitbringsel … die zwischen Rhodos und Jerez reisend ein munteres hochsommerliches Eigenleben entwickeln konnten.

© Heike Petersen                                   

Da sieht man mal, auf den Reisen durch unsere virtuelle Welt geht wirklich nichts verloren. Das gilt wohl auch für Koffer, die auf realen Irrwegen unterwegs sind.

Anders als mein Kopf, der ständig mit in Sackgassen endenden Verlusten zu kämpfen hat.

10 Kommentare

Kommentare (10)

  1. Da werde ich mir doch einen diesbezüglichen Kommentar nicht verkneifen:
    ___________

    Oh ja, ein Veteran erinnert sich :-)

    Das fällt mir dazu ein:
    Bleib jetzt aufgeweckt, damit Dir bei Deinem jetzigen Flug nicht passiert, dass Dein Koffer ordnungsgemäß in Hamburg ankommt, Du jedoch in Amsterdam landest – wie ich ja lesen konnte, wird auf Spaniens Flughäfen ganz anders gearbeitet.

    Das fällt mir dabei auf:
    Im 6. Absatz endet der Ernstfall mit einem dreifachen ’bla’ – hm, das irritiert mich jetzt: Ist mein Kürzel dort in dreifacher Ausführung ein Spaßfall von Dir?

    Und das fällt uns dadurch vielleicht zu:
    Wenn ich mir jetzt vorstelle, wie bspw. beim Versand unserer Exposés und Manuskripte an Verlage aufgrund von Umwegen unser ’Paradiesundjenes’ ebenfalls ein Eigenleben entwickelt – ein leicht verdauliches…

  2. Und dann fällt mir gerade auf, dass wir unsere Paradiesundjenes-Uhr offenbar von Hand umstellen müssen auf ‚Winterzeit‘. 17Uhr09!

  3. Warum ist denn mein Kommentar auf Deine letzte Reaktion da oben rein gemischt worden?
    Von Zeit war die Rede und dann gerät zeitlich alles durcheinander.
    Waaahnsinn … wo das noch hinführen kann …

    • Tja, liebe Heike, da sind wohl Zeiten und Zeichen ordentlich purzeinandergedurchelt.

      In Anbetracht der jetzigen Zeit, da die Tage sehr viel länger dunkler als hell sind, versuche ich hier mehr Licht hereinzubringen.

      Zu Deiner Frage vom 2.12. um 16:39 Uhr:
      Ja, manuell… wie in alten mechanisch zu koordinierenden Zeiten.

      Und zu Deiner Wahnsinns-Erkenntnis vom 2.12. um 16:46 Uhr:
      Ich kann mir dies nur so erklären: Je nachdem, wo Du rechts auf ‚Antworten‘ klickst, erscheint dann auch Dein Beitrag exakt unter darunter. Sprich, in modernen Zeiten unserer Kommunikationstechnologie geht nichts mehr mechanisch, alles nur noch elektronisch.

      Wird Zeit, dass wieder Sommerzeit kommt!

  4. Bernd, jetzt hast Du mich auf eine Idee gebracht und vielleicht damit das Dilemma der gehäuften ‚miesen‘ Sommer in Deutschland enttarnt:
    Die vergessen immer, dass das Wetter manuell auf Sommerzeit umgestellt werden muss … und schon hat man den verregneten kalten Juli!
    Ich sag ja … – Waaahnsinn!

  5. Ich weiß ja nicht, mit welchen Programmen Petrus & Co. arbeiten. Das wurde mir ja schon seinerzeit im „Paradies“ nicht klar.

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