Kapitel 3 – Stolpersteine

Die Arbeit an dem Roman war wie eine Reise mit unbekanntem Ziel. Jede Etappe war interessant und jeder vom Co-Autor übermittelte Beitrag bot überraschende Neuerungen … oder manchmal …  Stolpersteine …

Zu Beginn des 3. Kapitels hatte Bernd sich eine Variation ausgedacht, die mir im Ansatz gut gefiel: In einem Prosa-Text stellte er einen Morgen in Gerald Benns Büro vor, mit der Besonderheit, dass sich an diesem Tag in der Post ein kleines Päckchen von Isa Ketelsen befand – ein Buch. In dieser Szene wurde auch Gerald Benns Assistentin Agnes erstmals in die Geschichte eingebunden.

Ich stolperte allerdings darüber, dass in dem durchaus ansprechenden Text zu oft das Wort Minute enthalten war. Für mein Empfingen war Gerald Benn durch diese Darstellung zu einem kleinkarierten, engstirnigen Pedanten mutiert. Mein Gerald Benn, der lässige und souveräne Mann von Welt, den ich mir ausgemalt hatte … was war aus ihm geworden???

Krisenstimmung auf meiner Seite des Paradieses.

hep – Sorry, lieber Herr Lange, ich werde noch brauchen, bis ich alles verdaut habe. An einigen Brocken, den Charakter des Herrn Benn betreffend, habe ich noch länger zu kauen, und ich werde lernen, mit einem Zweier-Team-Projekt klarzukommen, bei dem ich im Idealfall 50 % beisteuern kann … nicht mehr und nicht weniger.

bla – Ein ausgewogenes Panta Rhei möchte ich mir für uns wünschen.
Auf einige Minuten könnte ich übrigens verzichten, da lasse ich gerne mit mir reden. Doch auf die Stunden im Paradiesundjenes möchte ich nicht entsagen wollen.

hep – Ich krieg mich schon wieder ein. So ist es halt im Paradies … und dafür braucht’s noch nicht mal ’ne Schlange ;-)
Alles ist gut … und kommt auch wieder in Fluss …

Und so war es!

Die Stolpersteine wurden beseitigt, und das November-Paradies’, eine sehr bildhafte Geschichte von Bernd Lange, fand endlich seinen Platz in unserem Roman.
Ich hatte meine Worte wieder gefunden und Isa Ketelsen konnte sich melden:

13.05.2011, 02:22:19
Mail to: gerald-benn@intermail.com
Mail from: ikarus1@mundo.es
Subject: Unfug …
Lieber Herr Benn,
Prentice Mulford hat es also geschafft, in die geheime Zentrale der Bennschen Unternehmungen vorzudringen.
Wie schön, dass meine Tat dazu geführt hat, dass ich in den Genuss des farbenfrohen ’November-Paradieses’ gekommen bin. Es war eine Freude, an diesem zaubervollen Herbsttag auf den Steinstufen zu sitzen und die Natur nicht nur zu betrachten, sondern mit ihr und ihrem reichen Angebot zu verschmelzen. Nach dem letzten Wort habe ich mir einige Tropfen einer spanischen Traube in mein Glas gefüllt und während ich den gekelterten Sonnengeschmack auf der Zunge spürte, bin ich nochmals in das Paradies der Worte und Bilder geschlendert.
Sie beschreiben sehr sinnlich. Ich spüre die Wärme auf der Haut, ich blicke die Steintreppe hinauf, die offenbar in den Himmel führt und möchte über das Tor klettern, um die Stufen zu erklimmen, die im Blau enden. Ich schmecke den Wein, der diesen Hang bewohnt hat und ich tauche ein in die Farbenpracht des Augenblicks … oder der Ewigkeit.
Die tierischen Besucher der Szene – unwissend, dass sie bei ihrem Tun beobachtet werden – sind ein bewegter und bewegender Teil dieses wohligen Bildes, das in mir entsteht.
Auch ich habe mich beim Lesen wie ein guter Wein gefühlt … Danke, lieber Herr Benn!
Mit dem fragenden Wunsch:
„Wissen wir, was uns erwartet, wenn uns die Sonne auf unserem irdischen Weg kein Licht mehr spendet? Der Wunsch, wie eine Weintraube weiterzuleben, drängt sich mir auf.“
haben Sie mir beim Verfassen Ihres Textes eine Überleitung zu ’Unfug des Lebens und des Sterbens’ gebaut.
Lieber Herr Benn, ich erwarte nicht, dass wir uns in einen Austausch über die Weis- und Wahrheiten von Prentice Mulford begeben. Wie ich nicht erwarte, dass Sie meine Lieblingsgeschichte ’Geplänkel mit einem Baum’ lieben.
Ich habe Ihnen das Buch lediglich übermittelt, weil ’die stolze Eiche’ wiederkehrendes Thema zwischen uns war und weil ich das Buch leidenschaftlich gern verschenke.
Wie ich an Ihre Adresse gekommen bin, wird ein Geheimnis bleiben, das ich mit ins Grab nehmen werde. Da wir beide, lieber Herr Benn, aber mittlerweile bei einer geschätzten Kommunikationsdauer von 460 Jahren angekommen sind, mag sich das eine oder andere Jahrzehnt dazwischen befinden, in dem ich weich werde und mich Ihnen anvertraue … oder eine Sekunde … in der ich mich verplappere ;-)
Vielleicht wird unsere Kommunikation sogar unendlich dauern (sofern wir nicht den Spaß daran verlieren), weil wir niemals sterben … wie im Vorwort des ’Unfug-Buches’ erwähnt: „Sterben ist eine mindere Gewohnheit – freudlos und zeitraubend!“
Ich habe jetzt jedenfalls das ersehnte ’November-Paradies’, was ja der Grund für meine Kontaktaufnahme war … oder hatte ich das etwa nur vorgeschoben??? ;-)

Das Gerangel um Kapitel 3 (hier sind nur einige Auszüge zu lesen), hatte zur Folge, dass ich bis zum Äußersten gegangen wäre. Daher eines Tages meine Frage an Bernd Lange:

hep – Hätte ich Sie sehr erschreckt, wenn ich Sie heute nachmittag angerufen hätte, um über das ‚Paradies‘ zu reden? :-))))

bla – So wie ich mich kenne, hätte es mich sogar gefreut :-))))).

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir immer noch kein Wort miteinander gesprochen … und es vergingen noch einige Tage … schriftlich … bis zu unserem 1. Telefonat.


Schreiben … für sich allein ein einsames Geschäft. Und zu Zweit? Nicht immer ein einfaches Geschäft. Damit’s nicht zu einem einseitigen Geschäft wurde, hatte ich jemanden, dem wir die Krisenstimmung in die Schuhe schieben konnten:

bla – Oder liegt’s womöglich am heutigen Vollmond, der mit seiner prallen Evidenz die Nervenstränge falsch zusammengestöpselt hat?

Und als ich dann mal für 24 Stunden Ruhe bewahrte, kam auch schon gleich die Frage:

hep – Lieber Herr Lange, geht es Ihnen gut? Ich habe EINEN GANZEN TAG nichts von Ihnen gehört. Da darf man sich doch mal Sorgen machen … ;-).

Soweit zum Thema „Stolpersteine“.


Fortsetzung folgt hier …
Sage und schreibe … uns was im Web-log.