Kapitel 2 – Brief-Wechsel in die privaten E-Mail-Boxen

Isa Ketelsen, die Romanfigur von Heike Petersen, hatte ziemlich schnell die Nase voll von den recht willkürlichen verbalen Aktivitäten im Literaturforum.

Ganz im Gegensatz dazu Heike: Sie hatte den Kopf voll, wie ihre Isa nun meiner Romanfigur Gerald Benn auf die ‚Pelle rücken‘ wollte. Und so ergab sich ein schwungvoller Wortaustausch zwischen der südspanischen Atlantikküste und dem linken Neckarufer Stuttgarts – in privatpostalischer zeitgenössischer Kommunikationsform:

Mail to: gerald-benn@intermail.com
Mail from: ikarus1@mundo.es

vs.
Mail to: ikarus1@mundo.es
Mail from: gerald-benn@intermail.com

Isa Ketelsens erste ikarus1@mundo.es-Mail kam auch gleich ziemlich keck daher:

Hallo Herr Benn, …
… Für das bunte Treiben im Forum fehlt mir gerade die Zeit … Ich kann mit dem Forums-Ping-Pong nichts anfangen, bleibe aber auf der Suche nach Austausch mit Schreibenden. Bin ich unter dieser Adresse fündig geworden, lieber Herr Benn?

Mit einer Antwort konnte es sich der liebe Herr Benn dabei noch einfach machen – nur drei Sekunden später landete sie bei Frau Ketelsen in der Mailbox:

Mail in absence to: all
Liebe Besucher in meinem E-Mail-Briefkasten,
dies ist eine Botschaft aus einer anderen Welt, und sie ist auch noch automatisch generiert.
Freunde, Bekannte und Gutmenschen wissen, dass ich in der Woche vor Ostern nicht in dieser Welt lebe, also weder virtuell noch real ansprech- bzw. anschreibbar bin …

Doch irgendwann kam Gerald Benn wieder zurück in diese Welt, und in seiner mitgebrachten kontemplativen Leidenschaftslosigkeit antwortete er Isa Ketelsen. Am Ende seiner Mail ließ er sich zu diesen Worten hinreißen:

Liebe Frau Ketelsen,
wenn Sie damit leben können, und möglicherweise dann noch mit weiteren Worten hier in unserem evtl. neu konstituierten Tandenforum? … (vielleicht gibt’s Schlimmeres, wenn ich bspw. an meinen nächsten Zahnarzttermin denke?)
… dann sende ich Ihnen begrüßenswerte Grüße

Hatte Isa Ketelsen bereits im Forum aus ihrem Herzen keine Mördergrube gemacht (obwohl die Todesursache unbekannt geblieben ist), machte sie nun auch direkt Gerald Benn gegenüber davon Gebrauch:

Bitte entschuldigen Sie die Störung. Es wird nicht wieder vorkommen. Vielleicht hört man sich mal wieder zwischen Himmel und Hölle … ganz öffentlich … ganz unverbindlich … ganz neutral. Es wäre mir eine Freude.

Und so kam es, wie es kommen musste: Missverständnisse, Missklänge und Missgeschicke waren vorprogrammiert – durch unseren zunächst bewusst eingebauten „Fehlstart“, der erst am Ende des 2. Kapitels zu einem unmissverständlichen Schreibergebnis zwischen Isa K. und Gerald B. führte. Wobei wir an dem sich im weiteren Verlauf entwickelten E-Mail-Briefwechsel der beiden unsere helle Freude hatten.

Genau so verlief die dieses Kapitel begleitende E-Mail-Korrespondenz zwischen Heike und mir: making of = making good. Inzwischen war es Usus, dass unsere Mails nur noch mit Kürzeln endeten – mit Heike Petersens „hep“ und meinem „bla“, klar, für Bernd Lange.

Einige Wortsalven gefällig?

hep (nachdem ihre Mail kurz davor ganz ohne Worte blieb):

Ausrede: heute bin ich etwas verkatert :-)

bla:

Kraulen Sie Ihren Kater gut von mir, wie war das mit der Zweit-Aspirin?

bla (nachdem auch bei ihm nicht alles glatt lief):

Vor lauter Rum und Num hab‘ ich doch glatt noch ‚was vergessen.

hep:

Vorsichtig, da lauert doch schon wieder der bla-Kater in Ihren Worten… :-) Num kenne ich nicht. Wie viel % hat das?

bla:

Alkohol n.u.m. = ‚der reinste Weingeist“ (Studia Linguistica Germanica / Raja Tazi: Arabismen im Deutschen – S. 118 Weigand I, 38)

Natürlich haben wir uns auch Alkoholfreies kredenzt:

bla:

Ab Ostern geht’s dann in die Vollen – mit Krokantgefülltem.

hep:

Ich sterbe für Krokant ...
Ich gehe jetzt ins Café Luzifer zum Frühstücken. Da sehen Sie mal, wie intensiv ich einsteige :-)

hep:

Es ist total süß, was Sie sich einfallen lassen.

bla:

Süß, dass Sie dies als süß bezeichnen, irgendwie krokantig, müsste eigentlich krorund heißen.

Usw., usw., usw.
Dass dann die Missverständnisse zwischen Isa K. und Gerald B. auch auf unsere Korrespondenz abfärbten… Schwamm drüber.
Wie sagte schon George Bernard Shaw vor rund 80 Jahren:
„Wer in dieser Welt etwas nicht auf eine irritierende Art sagt, kann es ebenso gut ungesagt lassen.“

Der Fortführung unseres Romans tat’s keinen Abbruch.


Am Beginn des 2. Kapitels kam es zu einer interessanten Vermengung der Realität und unseren Erfindungen und Empfindungen.

Was ich Isa Ketelsen mit auf den ‚Roman‘-Weg gegeben hatte in ihrer Mail an Gerald Benn (eine etwas gekränkte Reaktion auf seine Worte), bekam Bernd Lange in seinen ganz persönlichen Hals. Wie er mir danach gestand, war er kurz davor, alles hinzuwerfen.
Ich bin froh, dass wir die Kurve gekriegt haben … zu weiteren 22 Kapiteln …


Fortsetzung folgt hier …
Sage und schreibe … uns was im Web-log.