Dia-log | Paradiesundjenes
Aus einem 'zufälligen' Kontakt in einem Internet-Forum wurde ein Autoren-Duo…
und eine Freundschaft.

'Making of' des Romans Paradiesundjenes


Kapitel 6 bis 24 – Ein vollendetes Manuskript

Das ‚Making-of‘ Paradiesundjenes kommt zum Ende.
Im Showdown lassen wir unsere gewählten Worte auszugsweise selbst sprechen.

Isa Ketelsen und Gerald Benn kamen sich Wort für Wort näher, aber räumlich blieb es distanziert. Während er von einer spontanen Reise aus Burkina Faso zurückkehrte, packte sie die Koffer für die Azoren.
In seiner Abwesenheit hatte sich ein belebter Austausch zwischen Benns ‚rechter Hand‘ Agnes Buchholz und Isa Ketelsen ergeben.

Und dann …

Schock in der Agentur eventualis bei dieser Online-Nachricht:

Bei einem Erdrutsch auf der Azoren-Insel Pico wurden fünf Mitglieder eines Teams von Wissenschaftlern teilweise schwer verletzt. Zwei Unglücksopfer mussten zur Behandlung nach Lissabon geflogen werden; drei Leichtverletzte werden in der Hauptstadt Ponta Delgada auf der Insel Sao Miguel behandelt. Die Mehrheit der Gruppe von Forschern blieb unverletzt und wird ihre Arbeit unter angemessenen Sicherheitsvorkehrungen fortsetzen.

Gerald Benn und seine Assistentin können nicht in Erfahrung bringen, wer die Opfer sind. Ist Isa Ketelsen verunglückt?

Für den Rest des Tages will den beiden die Arbeit nicht so recht von der Hand gehen. Die Gedanken kreisen immer wieder um einen Menschen, den sie bis jetzt zwar nie persönlich kennen gelernt haben, und der ihnen dennoch vertraut geworden ist. Der Blick wandert ständig auf den Bildschirm, auf die eingehenden E-Mails, ob nicht endlich irgendwas…

 Die Erlösung kommt von Mat, dem Ex-Mann von Isa:

Hallo Gerald – hier MacMau,
für den Fall, dass Du die Nachricht vom Unglück auf den Azoren gelesen hast – wovon ich ausgehe – hier für Dich die Info: Isa ist verletzt, aber ok!!!!!
Was auch immer Euch beide verbindet geht mich nichts an, aber ich gestehe, dass ich ein wenig eifersüchtig bin.
Du bist auch gerade von einem abenteuerlichen Notfall-Besuch bei Deiner Ex-Frau zurück, wie Isa erzählt hat. Uns beide, Gerald, verbindet offenbar einiges mehr als das “auftragsgemäße um die Welt reisen“.

GB dankt Mat erleichtert … und stellt klare Verhältnisse her: 

Einen wie auch immer gearteten Grund zur Eifersucht gibt’s absolut nicht. Deine Ex und ich pflegen einen sprachhygienischen Wortaustausch. Nicht mehr und nicht weniger. Also: Platon lässt grüßen – wir schätzen den Umgang mit der Sprache; und wenn’s dabei auch manchmal in die Tiefe geht, als ein Unter-die-Haut-
Gehen möchte ich es nicht charakterisieren.

Verletzt und traumatisiert schreibt Isa an Gerald Benn:

Ich lebe! Im Gegensatz zu Steve, der eine Armlänge von mir entfernt stand. Er hat eine zweijährige Tochter, oder muss man sagen “er hatte“ … dieses süße Mädchen gibt es ja noch, aber keinen Vater mehr, der es in den Arm nehmen und trösten wird, wenn es von der Schaukel fällt.
Wenn Sie diese Zeilen in Briefform vor sich hätten, Herr Benn, könnten Sie in der verwischten Tinte lesen, wie es mir gerade geht.
Sorry. Ich melde mich. Danke.

Eine geglückte Überraschung – der Blumenstrauß von eventualis:

Grußtext:
Liebe heimgesuchte und wieder heimgekehrte Isa Ketelsen, ein gesunder Mensch
hat viele Wünsche, ein kranker nur einen. Wir beide wünschen Ihnen, dass Sie schnellstmöglich wieder aufrecht durchs Leben gehen – sich aufblühend der Sonne entgegenstrecken. Wenn dies auch Ihr Wunsch ist, möge er sich schnell erfüllen.
Herzliche
Genesungs-Grüße von Agnes Buchholz und Gerald Benn

Isa ist so sprachlos, dass ihr das gewohnte ‚Sie‘ abhanden kommt:

Ich danke Euch von Herzen!
Weißt Du, dass dieser wunderschöne Blumenstrauß nicht nur diesen Tag verwandelt und erhellt hat, sondern mich – tief drinnen.

Bei eventualis meldet sich lediglich die Telefon-Mailbox, als Isa sich bedanken möchte. Also wird wieder geschrieben. 

Wissen Sie, worüber ich mich sehr gefreut habe? Dass Sie Interesse haben, mit mir zu telefonieren – und sogar sagen, dass Sie unglücklich waren, dass ich Sie nicht erreicht habe. Da Sie so beschäftigt sind und ich im Moment alle Zeit der Welt habe, rufen Sie mich doch an, egal wann, ich bin eigentlich immer wach.
Nein, Herr Benn, rufen Sie mich lieber nicht an. Ich bin im Moment kein guter Gesprächspartner. Ich bin unausgeruht, unkonzentriert und ständig den Tränen nahe. Wir schreiben einfach weiter und warten mit einem Telefonat noch ein paar Jahre, bis sich mein Leben wieder eingerenkt hat.

Gerald Benn – Amsterdam – eventualis-Auftrag Tan Dun:

Gerald Benn lässt seinen Gedanken freien Lauf. Wieso kam ihm an diesem Abend Isa Ketelsen immer wieder in den Sinn? Es hatte wohl doch mit dem Konzert von Tan Dun, oder mehr noch, mit dem Film über ihn zu tun?! Besser: Es hatte mit Liesa zu tun, seine eigentlich vergessene Vergangenheit mit Liesa Clauss. Und nun eine im Grunde genommen undefinierbare Zukunft durch Isa Ketelsen? Liesa Clauss… Isa Ketelsen… warum führen diese beiden Namen jetzt zu einer gedanklichen Verbindung? Liegt es wirklich an ’The Tears of Nature’, an den Tränen der Natur?

Nachts im Hotelzimmer schreibt er:

Ich versuche, Sie anzurufen. Nicht erst in ein paar Jahren. Doch ein paar Tage möchte ich uns Zeit geben. Ihnen, um wieder im Einklang zwischen Körper und Seele zu schwingen. Mir, um mich nach den Turbulenzen in dieser Woche wieder zu sortieren.

Isa Ketelsen erholt sich langsam …

Ich kann meine Gedanken auch schon wieder in andere Richtungen lenken, zum Beispiel auf die Frage: Was haben Sie und Mat eigentlich ausgetauscht? Natürlich geht mich das nichts an, ich weiß. Wie gut kennt Ihr Euch eigentlich? Nein, auch das geht mich nichts an. Aber ich bin sicher, dass Ihr über Ex-Frauen gesprochen habt … Stimmt’s? ;-) – Mat war sehr interessiert, “was zwischen uns läuft“, lieber Herr Benn. Genau genommen, weiß ich das nicht. Aber das, was zwischen uns passiert, das macht was mit mir. Bei dem Satz: “Doch ein paar Tage möchte ich uns Zeit geben“, wurde mir ganz seltsam im Bauch, weil das so vertraut klingt.

… und ist aufgeregt:

Als nächstes werden wir also telefonieren. Aber bitte nehmen Sie sich so viel Zeit wie nötig, damit Sie sich zunächst etwas ausruhen können, wenn Sie wieder nach Hause kommen. Was den Mut betrifft … da kann ich nichts zu sagen. Aber Sie sind doch ein weltgewandter, abgeklärter Mann, der allzeit Herr der Lage ist … oder etwa nicht, lieber Herr Benn …? Ich weiß, dass ich am Sonntag Nachmittag aufgeregt sein werde … und zwar ziemlich.

Das Telefonat beginnt mit technischen Pannen und entwickelt sich zu einem langen Gespräch über Rückzugsorte, die Hunde Einstein und Vinc, Benns Hut-Auftrag in Paris … und … und …
Der leere Akku des Mobiltelefons von Isa beendet die … 

Gerald Benns denkt im Anschluss:

Schade eigentlich. Bestimmt ein interessanter Mensch, diese Isa Ketelsen, die bestimmt auch viel Interessantes zu erzählen weiß, mit der man sich bestimmt auch sehr sympathisch kurzweilig über Stunden hinweg unterhalten kann – unter normaleren Umständen.

Was soll diese karrierebetonte Frau am Ende der Welt, na ja, Europas, von einem Mann, der
im Prinzip nur in der Weltgeschichte, und zwar in einer Geschichte der Jetztzeit, herumkutschiert, schon wollen? – Na also, gar nix!!! Und so war’s ja auch am Telefon: gar nix, was in die Richtung gehen könnte.

Isa Ketelsens Tagebuch erfährt im Anschluss:

Ich war ganz schön aufgeregt. Ob es ihm auch so ging, weiß ich nicht. Er klang ziemlich lässig. Schauen wir der Realität ins Gesicht: Gerald Benn – ein gestandener Geschäftsmann, der um den Globus reist, ständig neue Herausforderungen annimmt und den Reichen der Welt spektakuläre Feste organisiert. Gerald Benn – ein kritischer, nachdenklicher, zurückhaltender und besonnener Mensch. Ein Mann, den nichts erschüttern kann – weltgewandt, souverän, diskret, gebildet, … und Isa Ketelsen, die naiv durch ihre diffuse Gefühlswelt stolpert … pubertär … im Alter von 50 Jahren – auf den Tag genau. Mal ehrlich: Er bewegt sich in Designer-Schuhen durch 5-Sterne-Hotels und plaudert bei Champagner mit der internationalen High Society, und ich sitze barfuß unter dem Sternenhimmel und trinke Wasser aus der Felsquelle. Für den bin ich doch eine durchgeknallte Witzfigur.
Ich werde mich nicht bei ihm melden. Ich wüsste gar nicht, wie ich anfangen sollte. Ich werde einfach abwarten. Er hat gesagt, dass er mir die Geschichte von Vinc schicken wird und eine Broschüre über eventualis.

Gerald Benn greift auf die bewährte Korrespondenz zurück:

Recht ungewöhnlich haben Sie das Ende eingeläutet, sehr abrupt.

Isa erklärt ihre ungewohnte Sprachlosigkeit:

Ich hatte nach dem abrupten Ende unseres schönen Gespräches zunächst mein Telefon verflucht und dann beschlossen, dass ich Sie zunächst mit meiner virtuellen Anwesenheit verschone, da Sie sehr beschäftigt sind.

Gerald Benn hat neben der vielen Arbeit in Paris auch private Ambitionen, in die er Mat einbinden möchte:

Hi, Mat, ich wieder,
Gaston und ich philosophierten in Paris übers Forum.  Am Ende entstand die Idee, wir rufen ein neues Forum ins Leben – auf einer neuen Plattform, mit neuem Konzept: einer Mischung aus Forum und Blog. Für Literatur- und Sprachbegeisterte, die sich mit einer gewissen Ernsthaftigkeit dem Thema widmen und dabei selbst einen hohen Anspruch stellen. Machst Du mit?

Doch Mat ist mehr als erschöpft:

Wo ich gerade bin, Gerald? Ich bin am Ende! Aktuell in Berlin in Sachen Terrorwarnung. Ich sitze nachts manchmal senkrecht im Bett – hochgerissen aus einem schlechten Traum, den ich nicht erinnere, aber hasse. Ein Blick aus dem Hotelzimmer in die Dunkelheit der Welt liefert keine Antwort. Vor ein paar Tagen habe ich mitten in der Nacht die Rezeption angerufen, um zu fragen, wo ich bin. Und jetzt weiß ich nicht mehr, wo das war.
Dass Du und Gaston mich an Bord haben wollt bei der Gründung Eures neuen Forums, ehrt mich, und ich danke Dir für den Vorschlag. Ich muss absagen. Ich bin leer und Lichtjahre entfernt vom sensiblen anspruchsvollen Umgang mit der Sprache. Ich kann nur noch schlecht schmeckende Halbsätze ausspucken. Sie liegen hingekotzt vor mir, und ich ekel mich vor ihnen. Nein Gerald. Sorry.
Macht das mit Isa. Offenbar hat sie durch Dich ein Selbstverständnis für ihre Texte bekommen und ein Selbstvertrauen zu ihrer Sprache und ihrem schriftlichen Ausdruck. Ich habe das nicht geschafft. Ich habe versucht, sie zu zwingen – und am Ende verraten. An dem Tag, als ich heimlich eines ihrer Manuskripte an einen Verleger geschickt habe, ist sie ausgezogen.
Ich bin ein Arschloch!

eventualis ist voll mit der Planung der Jubiläumsveranstaltung für Hutmanufaktur in Paris beschäftigt, aber die versprochene Geschichte, wie Gerald Benn auf den Hund gekommen ist, wird abgeschickt: 

Danke für die Vinc-Geschichten. Die werde ich ausdrucken und meine Nichte damit erpressen. Luise ist absoluter Hundenarr und heute angekommen. Seitdem tobt sie mit Einstein rum. Die beiden lieben sich. Wir scheinen Lichtjahre von der Möglichkeit entfernt, dass Luise ins Bett geht. 

In einem handschriftlichen Brief von Gerald Benn wird Isa Ketelsen mit interessanten Möglichkeiten überrascht, wo man sich treffen könnte, um eine Begegnung im richtigen Leben zu realisieren: Auf ‚ihrem Berg‘? In ’seinem Kloster‘? Auf halber Strecke in den Pyrenäen? In Stuttgart? Im ‚El Bulli‘ von Ferran Adrià an der Costa Brava … oder …

So blieb mir noch eine letzte Vorstellung: Ein befreundeter Fotograf, Volker Vandenberg, und ich kamen im Rahmen des Pariser-Hut-Events auf die Idee, eine eigene Geschichte zu machen. Ein Kalender mit dem Thema “Hüte in Paris“ – alles in Schwarz/Weiß, dazu so Worte wie beispielsweise:
Hut, die Erste: Er begegnete mir in den Jardins des Tuileries. Für Liebe auf den ersten Blick waren seine Augen eine Spur zu herausfordernd. Es blieb die Erinnerung an jenen Mittwoch, an dem mein Hut von Dior im Teich mit den Seerosen langsam versank.

Dabei ergäbe sich ja durchaus die Möglichkeit, dass wir uns dann dort treffen könnten. Und wer weiß, vielleicht entdecken wir, Volker und ich, Sie ja auf dem Weg in eine steile Fotomodell-Karriere. Ich stelle Sie mir gerade minimalistisch unter einem Hut von Dior vor.

Isa sieht schon lange einem Treffen entgegen, aber …

Ja, lieber Herr Benn, ich sehe mich mit Ihnen in Paris. Ich sehe mich allerdings nicht auf einem Kalenderblatt. Dennoch vielen Dank.
Dann legt GB noch eine Idee nach – ganz spontan:
Können Sie sich vorstellen, dass wir uns am nächsten Wochenende, also um den 30./31. Juli, auf 36°0’4’’ nördliche Breite und 5°36’20’’ westliche Länge begegnen? Mir ist danach, obwohl es vor uns liegt.

Die Antwort darauf fällt anders aus als erwartet:

Automatische Abwesenheitsnotiz
Muss nach Oslo – off to Oslo – Tengo que ir a Oslo.
Keine Ahnung, wann ich Mails beantworten kann – Don’t know when I can answer my mails – Ni idea cuando puedo contestar mis correos.

Oslo ist im Ausnahmezustand und GB in Sorge.
Er schreibt eine SMS:

Lb. Frau Ketelsen, Ihre letzte Mail liest sich alles andere beruhigend. Sie in Oslo, so spontan? Das alles da ist schon schlimm genug! Mögen es bitte andere Gründe bei Ihnen sein. Beste Wünsche und Grüße, GB

SMS-Antwort von Isa:

Wie entsetzlich was fr ein Grauen. Mir fehlen die Worte.Mat ist nach dem Bombenanschlag und dem Massaker auf der Insel zusammengeklappt der Anschlussflug wird aufgerufen. Melde mich

Mat ist bei seiner Arbeit zusammen gebrochen.

Ich weiß nicht, wann Sie zuletzt Kontakt mit Mathew hatten. Es ging ihm schon lange nicht gut. Aber er konnte nicht hinhören und er konnte nicht aufhören. Jetzt hat sein Inneres die Notbremse gezogen. Er lebt! Das wollte ich Ihnen gern mitteilen. Ich denke, es ist ausgeschlossen, dass er so weitermachen kann, wie bisher.

Isa muss das vorgeschlagenen Treffen mit Gerald Benn absagen:

Es tut mir sehr leid, dass ich Ihnen eine ernst gemeinte Absage schicken muss, statt einer fröhlich gelaunten Zusage. Ich bleibe auf unbestimmte Zeit bei Mat … bis wir wissen, wie es weitergeht. Ich schreibe ausführlicher, wenn die Situation klarer ist.
Sorry! Das ist soooo schade!

GB ist verwirrt und schläft schlecht:

Dass mir das noch passieren muss, dass mich eine Frau so aus dem Ruder werfen kann, zumal ich sie ja noch nicht einmal kenne – also so richtig kenne, eine fast wildfremde Frau.
Könnte ich doch diese durch inzwischen so viele ausgetauschten Worte entstandene virtuelle Vertrautheit, Verbundenheit, Verflochtenheit wieder abschalten und weiter in einem realem Raum ohne Komplikationen leben.

Isa versucht, Ihrem Ex-Mann wieder auf die Beine zu helfen. 

Ich habe oft an Sie gedacht, Herr Benn, und ich habe viel von Ihnen gesprochen, weil Sie den Absprung vom Journalismus geschafft haben und mit einem berufsfremden Konzept erfolgreich sind.
Herr Benn, Sie kennen Mat. Wie ist Ihr Kontakt? Ich möchte Sie nicht ausfragen. Das ist es nicht. Tauschen Sie sich über wichtige persönliche Fragen aus? Ich glaube, ich kam drauf, weil ich sicher bin, dass Mat Ihren Namen erwähnte … im Schlaf. Es war alles sehr wirr. “Letter a Magica“ – sagt Ihnen das was?
Wenn ich nicht schleunigst nach Bolonia zurück müsste, würde ich einen Abstecher nach Stuttgart machen.

Gerald Benn möchte seinem geschätzten Freund auch helfen:

Frau Ketelsen, darf ich abschließend noch eine große Bitte äußern: Ich möchte jetzt natürlich gerne so schnell wie möglich mit Mat sprechen, so bald ihm danach ist – unbedingt. Vielleicht ist es eine bessere Lösung, wenn Sie ihn bitten, dass er sich bei mir meldet, sobald er sich ein Gespräch mit mir zutraut.
NB: Er wird wohl von Litera Magica geträumt haben. Ich betrachte das sehr zuversichtlich für seine weitere Genesung.

Isa vermittelt … 

Ich habe Mat erzählt, dass Sie sehr in Sorge sind und ihn sprechen möchten. Er lässt Sie grüßen und wird sich melden. Es kann noch ein paar Tage dauern. Bitte gedulden Sie sich.

… und erklärt: 

Herr Benn, wenn Mathew sich noch nicht bei Ihnen gemeldet haben sollte – wovon ich fast ausgehe –, nehmen Sie es ihm nicht übel. Dann braucht er einfach noch etwas Zeit. Aber ich kann Ihnen versichern, dass es ihm relativ gut geht. Ach, und in dem Zusammenhang wollte ich Sie um ein paar aufklärende Worte zum Thema “Litera Magica“ bitten. Und in welcher Weise wird es seiner Genesung dienen. Was ist das? Eine geheime Sekte von buchstabenerfindenden Ex-Journalisten? ;-)

Gerald Benn konnte mit Mathew Kontakt aufnehmen …

Zwischenzeitlich konnte ich mit ihm sprechen – nicht allzu lange, doch er klang recht zuversichtlich. Ich bin erleichtert – ich glaube, er hat viel Glück im Unglück gehabt; und ich bin mir sicher, dass er bald wieder auf den Beinen ist. Alles in allem eine erfreuliche Entwicklung; so wie es aussieht, werde ich Mat in der nächsten Woche in seiner Klinik besuchen.
Vielleicht wird es dann doch Paris werden – unter einem besseren Stern, nicht geplant und ohne konkrete Vereinbarungen, spontan, wenn sich Ihre und meine Anwesenheit überschneiden sollten?

… und erklärt Isa Ketelsen das angedachte Forum:

Sie baten um Aufklärung über Litera Magica. Es ist zunächst der Arbeitstitel für ein ganz grob angedachtes Projekt. Unsere Idee ist noch sehr diffus, sehr unausgegoren. Bezogen auf Mat: Betrachten Sie es als vielleicht wirklich wirksames Medikament, dass seiner Genesung gut tut – auch wenn es am Anfang gar nicht so gedacht war.

Aus un-heiterem Himmel gibt es Unstimmigkeiten zwischen Isa Ketelsen und Gerald Benn …

Herr Benn, nun wäre ich fast nach Stuttgart gekommen, aber nicht, um Sie kennen zu lernen, sondern um Sie auf den Topf zu setzen. Was haben Sie Mat erzählt, als Sie ihn besucht haben? Wissen Sie, dass er einen Tag nach Ihrem Besuch im Begriff war, die Klinik entgegen aller Empfehlungen frühzeitig zu verlassen. Er sprach davon, dass wichtige neue Aufgaben auf ihn warten. Es geht offenbar um Euren geheimen Männer-Club. Keine Ahnung, was da läuft, Herr Benn, aber machen Sie sich bitte klar, wie es um Mat steht.
Ich möchte Sie dringend bitten, Mat in den nächsten Wochen nicht mit Plänen oder Aufträgen zu behelligen. Er ist noch nicht gesund. Und wenn wir – die wir ihn mögen und schätzen – die Situation nicht richtig einschätzen, gefährden wir Mathew.
Ich denke, wir verstehen uns … oder?????

… aber Ihre Kritik erreicht ihn nicht unmittelbar. 

Liebe Leserin, lieber Leser,
es ist eine unmittelbare Antwort, diese von mir bewusst gesteuerte, für jeden gleichlautende E-Mail. Und für manche kommt sie überraschend.
Ich bin für 10 Tage aus dem virtuellen Raum verschwunden.
Wem Geschäftliches mit eventualis am Herzen liegen sollte, kann vertrauensvoll mit Agnes Buchholz kommunizieren: a.buchholz@eventualis.com. Sie steht Rede und Antwort.
Bis zum 12. September mögen alle, die ohne mich auskommen müssen, bestens ohne mich auskommen.

Nach der Rückkehr von Gerald Benn klingen die Worte anders: 

Im Klartext: Paris steht für mich noch in den Sternen; und wenn doch eine Schnuppe auf fruchtbaren Erdboden (wahrscheinlich eher Asphalt) fällt, spielt die Zeit ihr eigenes Spiel und hat das Wetter seine eigene Einstellung. “Bis bald in Paris“ halte ich im Augenblick noch für eine etwas gewagte Vorstellung – sorry für die Prognose.

Vielleicht kann eine real existierende Freundschaft unter Menschen, die sich wirklich kenne, solche kritischen Momente besser überstehen.

Was ich nicht nachvollziehe, ist, dass Sie meine Sorge um Mat offenbar nicht verstehen, Herr Benn. Unsere Wahrnehmung der Gesamtsituation ist offenbar sehr different. Im Gegensatz zu Ihnen hoffe und wünsche ich von Herzen, dass Mat NICHT wieder “der Alte“ wird.
In Bezug auf Paris und alles andere Ungereimte scheint es angeraten, künftig von alkoholbelasteten Korrespondenzen Abstand zu nehmen. Gibt schon ohne Promille genügend Miss- und Unverständnis, wie es scheint.

Agnes erfährt die Entwicklungen mit Betroffenheit. Ihr Chef erklärt ihr:

Jedenfalls kam es bei mir so an, als wollte Frau Ketelsen über die Gedanken, die wir uns über Mat machen Unfrieden stiften. Daraufhin habe ich ihr meinen Standpunkt klar gemacht, etwas direkt und harsch, vielleicht auch zynisch oder provozierend; jedenfalls nicht diplomatisch genug.

Er schließt ihr gegenüber seine Betrachtungen der aktuellen Situation mit den Worten:

Wissen Sie, Frau Buchholz, Sie kennen mich ja wirklich gut genug: Ich werde gewiss keinen Stein in einen Spiegel werfen, um Bilder auszulöschen. Doch genau so wenig werde ich eine beschlagene Oberfläche blank reiben, um irgendwelche Spiegelbilder zu entwerfen. Sie wissen, was ich meine
– die Dinge gehen ihren eigenen Weg.

Es ist still zwischen Isa Ketelsen und Gerald Benn … und die Dinge gehen ihren eigenen Weg … bis zu einem Fototermin in Paris …

Hut, die Fünfte …

E N D E

 


Spätestens jetzt wird doch jeder wissen wollen, was es mit dem sibyllinischen „Hut, die Fünfte“ auf sich hat… ob aus der Begegnung zwischen Isa und Gerald ein Schuh wird.

Und überhaupt: Wer dies gelesen hat, will doch nun unbedingt die Geschichte vom ersten bis zum letzten Wort erleben.

Voilà: „Paradiesundjenes“ gibt es jetzt als e-book.


Sage und schreibe … uns was im Web-log.